Mission Hundehütte: Unser Handy-Abenteuer am Maiser Waalweg
1. Mai
Am 1. Mai brechen wir, drei Generationen, meine Schwiegermama, mein Mann und ich, unser 16-jähriger Sohn und unsere über alles geliebte Mischlingshündin Finni frühmorgens auf. Wir möchten das tolle Wetter, eine freie Brennerautobahn und das lange Wochenende ausnützen, um das Geburtstagsgeschenk für Oma Moni einzulösen: eine Familienreise nach Schenna in Südtirol.

Ciao Italia
Zunächst aber der obligatorische Stopp in der Bar des Plose Grill Trens Ost - gleich hinter Sterzing - auf einen ersten echt italienischen Cappuccino. Benvenuti in Italia!

Schloss Runkelstein - Castel Roncolo
Wir sind so schön früh dran und schaffen auch noch eine Besichtigung von Schloss Runkelstein bei Bozen. Finni darf leider nur mit in den Schlosshof. Wir teilen uns daher auf und erkunden in zwei Gruppen die „Bilderburg“ von 1237, hoch über der Talfer am Eingang zum Sarntal.

Wir tauchen ein in das ritterliche Mittelalter und die höfische Kultur.

Weltberühmt ist der mittelalterliche Freskenzyklus mit Szenen aus der ritterlichen Lebenswelt (Jagd, Turniere, Tänze), literarischen Stoffen wie die Sage von Tristan und Isolde oder die Abenteuer von König Artus und seinen Tafelrunden-Rittern.

Panoramahotel Finkennest
Erste Hürde bei der Ankunft im Hotel Finkennest ist der Autoaufzug in die hoteleigene Tiefgarage. Da das Finkennest direkt in den steilen Hang von Schenna gebaut wurde – wie ein Nest an den Hang – werden die Autos platzsparend per Lift in das Garagengeschoss transportiert. Die „Box“ hat gerade noch die richtigen Maße für unseren Campingbus. Nichts für schwache Nerven!

Der Ausblick vom Balkon und auch vom Pool auf Meran, Palmen, schneebedeckte Berge, Dorf Tirol gegenüber, Schloss Schenna, Pfarrkirche und Mausoleum ist umwerfend. Dazu dieses Bilderbuchwetter! Bleiben zum Abendessen in Schenna und erkunden erst am nächsten Tag Meran.

Merano
Mein Mann und die Schwiegermama nutzen den Südtirol Guest Pass und fahren mit dem Bus hinunter nach Meran. Ich selbst wandere mit Filius und Finni wunderschön durch Apfelwiesen und Weinberge.

Treffpunkt für alle ist die Café Bar Max direkt an der Passer.

Wandeln entlang der Passerpromenade, bummeln durch die Meraner Lauben und entdecken nette Läden und Geschäfte zum Shoppen.

Am frühen Abend sind wir wieder zurück im Finkennest. Zur etwa gleichen Zeit wie mein Neffe, der mit dem Motorrad von München über den Jaufenpass angereist ist. Unser Familientreffen ist komplett. Auch den zweiten Abend lassen wir bei einem Abendessen in Schenna ausklingen.

Maiser Waalweg
Wir entscheiden am Sonntag, gemeinsam ein Stück am Maiser Waalweg zu laufen und dann alle zusammen – mit Auto und Motorrad – über den Jaufenpass zurück zu reisen. Am Sonnwendhof in Obermais kaufen wir ein Apfel-Sackl und legen eine kurze Rast ein. Holen dort meine Schwiegermama mit dem Auto wieder ab und fahren Richtung Jaufenpass. Mein Neffe mit dem Motorrad voraus.

Jaufenpass - Passo di Monte Giovo
Habe den Jaufenpass noch nie bei so schöner Witterung befahren. An der Edelweißhütte treffen wir wieder auf meinen Neffen, wollen dort kurz einkehren.

Beim Aussteigen aus dem Auto vermisst meine Schwiegermutter ihr Handy. Sie ist ganz aufgelöst, weiß aber sofort, dass sie es beim Sonnwendhof hat liegen lassen. Während mein Mann ihr Handy anruft und die Obstbauern tatsächlich erreicht, die das Handy bereits gefunden haben, erzählt mir mein Neffe, dass er bei der Auffahrt auf einer Ölspur ausgerutscht und gestürzt ist. Er gibt sich ganz cool, nur ein Teil der seitlichen Abdeckung fehlt und der rechte Aussenspiegel ist abgebrochen.
Die Bauern sind eventuell später außer Haus, daher vereinbart mein Mann die Abholung des Handys in der Hundehütte am Hof. Wundere mich über diesen kuriosen Abholort, eine dieser skurrilen Ideen meines Mannes. Mir selbst ist die Hundehütte dort gar nicht aufgefallen. Ich weiß aber sehr schnell, dass ich heute die 20 Passkehren ganz bestimmt nicht noch einmal hinunterfahren möchte. Verspreche meiner Schwiegermutter, dass sie wieder zu ihrem Handy kommt, am besten per Postsendung.
Aber vielleicht fahren wir ja nächstes Wochenende einfach noch einmal in die Gegend und holen das Handy persönlich ab? Jedenfalls möchte ich jetzt nur noch, dass mein Neffe sicher nach Sterzing kommt und vor allem noch bei Tageslicht zurück in München ist. Wieder zuhause telefoniere ich abends mit den Bauern und sie versprechen, das Handy mit der Post zu schicken.
Akku-Alarm der Poste Italiane
Doch wir haben die Rechnung ohne die „Poste Italiane“ gemacht. Handys werden nicht per Post verschickt. Das Stichwort: Gefahrgut. Das Problem liegt an den darin verbauten Lithium-Ionen-Batterien.
Der Versand per Spedition wäre sehr teuer, auch Kurierdienste sind verhältnismäßig kostspielig. Außerdem merke ich schon an den Telefonaten mit den Bauern, dass sie nicht bereit sind, sich weiter zu bemühen. Auch haben sie Angst auf den hohen Versandkosten sitzen zu bleiben.
Ironie des Schicksals? Oder vielleicht vor allem unsere Sehnsucht nach Südtirol?Wir fahren tatsächlich am kommenden Wochenende ein weiteres Mal in die Gegend, nur mein Mann und ich - und Finni. Diesmal wollen wir am Campingplatz übernachten und wir nehmen die Räder und den Hunde-Radanhänger mit.
Gargazon
Am Freitagabend geht es los und gegen 22.30 Uhr erreichen wir den netten, ruhigen, kleinen, sehr gepflegten Camping Komodo im Apfeldorf Gargazon, etwa auf halber Strecke zwischen Bozen und Meran, direkt am Etschradweg gelegen.

Rettungsmission erfolgreich
Nach einem sonnigen Frühstück inmitten von Apfelwiesen radeln wir los Richtung Meran und Obermais.
Der schicke Campingplatzbetreiber erzählt mir beim Einchecken von dem Familienobsthof Runstner und dem dazugehörigen Hofcafé im Ort. Künstlerin der vielen auf dem Platz ausgestellten expressiven Freilichtskulpturen ist seine Mutter, Martha Margesin Zischg.

An diesem schönen Café kann man einfach nicht vorbeiradeln. Wir halten natürlich für ein zweites Frühstück mit Kaffee, Marmeladengipfele und Topfendaschl direkt im Grünen.

Der Runstnerhof ist ein alter Bauernhof aus dem 14. Jahrhundert. Leider gibt es keine Plätze mehr für das morgige Muttertagsfrühstücksbuffet, es ist bereits seit Monaten ausgebucht.

Wir besichtigen auch das Atelier der Künstlerin. Die originale Sissi-Büste ist dort zu bewundern, eine Kopie steht im Garten von Schloss Trauttmansdorff in Meran.

Vereinbare morgens noch mit den Bauern vom Sonnwendhof, das Handy bitte wieder in die Hundehütte zu legen, da wir nicht genau wissen, wann wir ankommen und auch dort nicht immer jemand zu Hause ist.
Und tatsächlich: das gute Stück liegt dort für uns versteckt. Mission erfüllt!
Bozen und die Schlernhexen
Auch am Muttertag wird geradelt und zwar bis Bozen. Einige Gartencenter und Blumenläden haben an diesem Tag – der Festa della mamma – im ganzen Land vormittags geöffnet. Blumen sind schließlich das klassische Muttertagsgeschenk in Bella Italia.
Bevor wir Richtung Heimat düsen, machen wir noch einen Abstecher ins Schlerngebiet. Sehen uns die imposante Burganlage von Schloss Prösels an. Leider hat Schloss Prösels auch eine dunkle Geschichte. Hier fanden im frühen 16. Jahrhundert Hexenprozesse statt. Wir entdecken eine Gedenktafel, die daran erinnert. Heute ist das Schloss ein wichtiges kulturelles Zentrum für Ausstellungen und Konzerte.

Die Schlernhexen sind wohl das bekannteste Sagenmotiv Südtirols. Die Legenden sind tief in der Region rund um den markanten Schlern, den „Hausberg“ der Südtiroler verwurzelt und schlagen eine faszinierende Brücke zwischen Naturmystik und düsterer Geschichte.
Der Sage nach trafen sich die Hexen aus dem gesamten Land auf dem Hochplateau des Schlern zu wilden Festen und Teufelstänzen. Die Hexen wurden für die heftigen Gewitter verantwortlich gemacht, die im Sommer oft über den Schlern ziehen. Wenn es blitzt und donnert „machen die Schlernhexen das Wetter“.
Neun Frauen wurden damals beschuldigt, mit dem Teufel im Bunde zu stehen, das Wetter zu verhexen und auf Besen zum Schlern zu reiten. Sie wurden zum Tode verurteilt. Die Legenden der Schlernhexen vermischen also alte Naturmythen mit diesen realen historischen Ereignissen.
Unsere letzte Station ist passend dazu das Restaurant Café Schlern-Hex oberhalb von Kastelruth.

Fazit
Ende gut, alles gut! Schwiegermamas Handy hat uns zwar ordentlich auf Trab gehalten, aber ehrlich gesagt: Eine bessere Ausrede für einen zweiten Südtirol-Trip am darauffolgenden Wochenende hätte es kaum geben können. So wurde aus einem kleinen Schreckmoment ein zweites Abenteuer zwischen Apfelwiesen, Sissi-Büsten und Sagenwelt und wir haben eine weitere Ladung Südtirol-Glück im Gepäck.
Arrivederci!